Stellungnahme zu Schriftzügen mit antisemitischen Mordaufrufen in Berlin
(Veröffentlicht am 30.04.2026)
In Berlin-Prenzlauer Berg wurde innerhalb weniger Wochen wiederholt zum Mord an Juden aufgerufen. Bereits Mitte April prangte an einer Hauswand der Schriftzug „Kill all Jews“ sowie ein Hakenkreuz. Vor wenigen Tagen sprühten unbekannte „Nur ein Toter Jude ist ein guter Jude“ an die Fassade. Die Schriftzüge wurden von der Polizei entfernt – der Staatsschutz ermittelt.
Ebenfalls diese Woche berichtete das Jüdische Forum für Demokratie und gegen Antisemitismus (JFDA), dass der Name eines Mitarbeiters am Klingelschild des Hauses, in dem er wohnt, mit einem roten Dreieck markiert wurde – eine direkte Bedrohung und Äußerung eines Vernichtungswunsches.
Solche offenen Mordaufrufe gegen Jüdinnen:Juden und Menschen, die sich gegen Antisemitismus engagieren, sind Ausdruck einer zunehmenden Enthemmung sowie einer gefährlichen Normalisierung, die eine konkrete Bedrohung darstellen. Die zusätzliche Verwendung von NS-Symbolik macht die ideologische Einordnung unmissverständlich klar: Es handelt sich um gezielte antisemitische Einschüchterung und Bedrohung, die bewusst an die historischen Verbrechen des Nationalsozialismus anknüpft.
Antisemitische Botschaften im direkten Wohnumfeld treffen Menschen dort, wo sie sich eigentlich sicher fühlen sollten. Aus der Perspektive der Betroffenen haben solche Vorfälle gravierende Auswirkungen: Sie erzeugen Angst, Ohnmacht und das Gefühl, im eigenen Lebensumfeld nicht geschützt zu sein. Viele Jüdinnen:Juden erleben dadurch eine zunehmende Verunsicherung im Alltag. Einige fühlen sich gezwungen, ihre Identität bzw. Herkunft zu verbergen oder bestimmte Orte zu meiden. Besonders problematisch ist das Ausbleiben einer breiten, sichtbaren gesellschaftlichen Reaktion.
Die Entwicklung der Beratungsfälle bei OFEK wie auch die Daten der RIAS-Meldestellen zeigen ein enorm gestiegenes Niveau antisemitischer Erscheinungsformen in Deutschland wie auch deren regelmäßige Manifestation in der Öffentlichkeit. Neben konsequenter Strafverfolgung braucht es daher eine klare und unmissverständliche Haltung aus der Gesellschaft, insbesondere in der Nachbarschaft. Antisemitische Gewaltandrohungen dürfen nicht unwidersprochen bleiben. Sichtbare Solidarität ist ein zentraler Bestandteil von Sicherheit.

