Stellungnahme von OFEK e.V. und RIAS Sachsen-Anhalt zu antisemitischen Aushängen an der halleschen Kunsthochschule Burg Giebichenstein
(Veröffentlicht am 07.05.2026)
Vergangene Woche sind an der Kunsthochschule Burg Giebichenstein in Halle Zettel aufgetaucht, die die Jüdische Gemeinde Halle diffamieren und die Ausladung der Gemeinde aus einer gemeinsamen Dialogveranstaltung fordern. Der Aufruf ist ein weiteres bedrohliches Anzeichen dafür, dass antisemitisch geführte antiisraelische Agitation zunehmend auf Umwegkommunikation verzichtet und jüdische Organisationen vor Ort direkt angreift.
Die Veranstaltung, um die es geht, ist Teil einer Begegnungsreihe zwischen Studierenden und der Gemeinde, mit denen der Studierendenrat auf antisemitische Vorfälle an der Kunsthochschule seit dem 7. Oktober 2023 reagiert. Mit den nun ausgehängten unterschriftslosen Zetteln wird diese Kooperation angegriffen und die Jüdische Gemeinde Halle als eine „rassistische Organisation“ und „zionistische Struktur“ bezeichnet. Es wird behauptet, die Gemeinde verbreite „faschistische Propaganda“ und ihre Sprechfähigkeit als Instanz der jüdischen Selbstorganisation in Abrede gestellt. Die Verfassenden beanspruchen hingegen selbst zu bestimmen, wer hallesche Jüdinnen:Juden in einem solchen Dialogformat vertreten dürfe, und verweisen dabei auf kleine, wenn auch lautstarke, antizionistische Gruppen ohne Bezug zu Halle. Eine derartige Anmaßung wäre gegenüber kaum einer anderen Minderheit gesellschaftlich akzeptabel; im Kontext von Jüdinnen:Juden ist sie jedoch immer wieder zu beobachten.
Israelbezogener Antisemitismus richtete sich – allen gegenteiligen Beteuerungen entsprechender Akteur:innen zum Trotz – immer auch und oftmals vor allem gegen Jüdinnen:Juden vor Ort. Seit dem 7. Oktober ist weltweit zu beobachten, wie antisemitische Lesarten des Nahostkonflikts zunehmend direkter dazu genutzt werden, jüdische Menschen und Institutionen in der Diaspora pauschal zu delegitimieren. Dazu gehören auch Schriftzüge, die offen zum Mord an Jüdinnen:Juden aufrufen und dabei nicht einmal mehr die Umwegkommunikation über den Begriff „Zionist:innen“ wählen, ebenso wie Beschlüsse, jüdische Organisationen und Perspektiven aus akademischen oder öffentlichen Räumen auszuschließen. Das Minimalziel dieser zunehmend normalisierten Haltungen besteht darin, jüdisches Leben vor Ort aus der Öffentlichkeit zu drängen und Jüdinnen:Juden in die Unsichtbarkeit zu verschieben.
Die Jüdische Gemeinde Halle, der Landesverband Jüdischer Gemeinden Sachsen-Anhalt und die Kunsthochschule Burg Giebichenstein haben die Aushänge in Stellungnahmen scharf und treffend kritisiert.
OFEK e.V. erklärt sich solidarisch mit der Jüdischen Gemeinde Halle und verurteilt diese Angriffe aufs Schärfste. Wir begrüßen das Vorgehen der Leitung der Kunsthochschule, die diese Aushänge fortlaufend entfernt und die Inhalte rechtlich prüfen lässt. Zugleich rufen wir die Studierendenschaft sowie die Mitarbeitenden der Kunsthochschule dazu auf, dieses perfide Vorgehen klar zu benennen, ihm entschieden entgegenzutreten und jüdische Stimmen und Räume vor Ort aktiv zu schützen.

