Stellungnahme zum Jahresbericht von RIAS NRW für 2025

(veröffentlicht am 03.06.2026)

Der heute erschienene Jahresbericht von RIAS NRW für 2025 dokumentiert erneut einen Anstieg antisemitischer Vorfälle in Nordrhein-Westfalen: Insgesamt 1.102 Vorfälle wurden 2025 erfasst, ein Anstieg von 17 % gegenüber dem Vorjahr (2024: 940). Darunter befinden sich 32 physische Angriffe auf Personen sowie 33 Bedrohungen, was einem Anstieg von 78 % bzw. 50 % gegenüber 2024 entspricht. Hinzu kommen 60 gezielte Sachbeschädigungen und zahlreiche weitere Fälle verletzenden Verhaltens. Besonders hervorzuheben ist, dass 89 Vorfälle an und in Gedenkstätten und -initiativen dokumentiert wurden – ein alarmierendes Bild der Lage für jüdisches Leben in Nordrhein-Westfalen.

Besorgniserregend ist die qualitative Verschärfung der Vorfälle: Antisemitismus äußert sich zunehmend enthemmter, direkter und gewalttätiger. Bildungseinrichtungen zählen erneut zu den am häufigsten dokumentierten Tatorten. Auch die Zunahme von Vorfällen im Wohnumfeld um 115 % verweist darauf, dass Antisemitismus für viele Jüdinnen:Juden in NRW bis in den engsten Lebensbereich hineinreicht.

Zum Jahresbericht von RIAS NRW erklärt das Team von OFEK NRW: »Die Zahlen von RIAS NRW zeigen deutlich, dass Antisemitismus für viele Jüdinnen:Juden in Nordrhein-Westfalen keine abstrakte gesellschaftliche Entwicklung ist, sondern eine konkrete Alltagserfahrung. Besonders besorgniserregend ist die Zunahme von Bedrohungen, körperlichen Angriffen und Vorfällen im unmittelbaren Wohnumfeld. Antisemitismus beschränkt sich nicht auf einzelne politische Ereignisse oder öffentliche Debatten, sondern wirkt bis in Bildungsinstitutionen, Nachbarschaften und andere zentrale Lebensbereiche hinein.

Die anhaltende Enthemmung antisemitischer Äußerungen und Gewalthandlungen seit dem 7. Oktober 2023 führt bei vielen Betroffenen zu Verunsicherung, Angst und Einschränkungen ihrer gesellschaftlichen Teilhabe. Umso wichtiger sind dauerhaft verfügbare, niedrigschwellige und spezialisierte Unterstützungsangebote. OFEK berät und begleitet Betroffene antisemitischer Vorfälle und Straftaten, bietet psychologische, psychosoziale und rechtliche Unterstützung und steht zugleich Institutionen mit fachlicher Beratung zur Seite. Mit dem Aufbau von OFEK NRW können wir diese Unterstützung nun auch vor Ort anbieten und Betroffene in Nordrhein-Westfalen noch gezielter erreichen.«