Drei Jahre nach dem 7. Oktober 2023
(veröffentlicht am 07.10.2026)
Was bedeutet es, drei Jahre nach dem 7. Oktober 2023 mit den Folgen des Terrors zu leben? Wie lässt sich das Wissen um die Gewalt dieses Tages und der darauffolgenden Jahre in das eigene Weltverständnis integrieren? Wie gestaltet sich der Alltag unter Bedingungen erhöhter Sicherheitsrisiken und eingeschränkter jüdischer Sichtbarkeit? Und wie gehen Menschen mit der anhaltenden Konfrontation mit Hass, Desinformation und der Instrumentalisierung ihrer Erfahrungen um?
Diese Fragen beschäftigen jüdische und israelische Communities weltweit. Sie betreffen persönliche Beziehungen und grundlegende Lebensentscheidungen ebenso wie alltägliche Aktivitäten. Das Ausmaß der Veränderungen seit dem 7. Oktober ist weiterhin schwer zu erfassen. Zugleich werden die Folgen in Teilen der nichtjüdischen Mehrheitsgesellschaft kaum wahrgenommen oder anerkannt. Die Beschreibung als Ausnahmezustand greift nach drei Jahren zu kurz: Für viele sind Bedrohung, erhöhte Wachsamkeit und Einschränkungen zu anhaltenden Bedingungen ihres Alltags geworden.
Am heutigen Jahrestag ist deshalb festzuhalten: Jüdische Communities in Deutschland und weltweit leben weiterhin unter erheblichen Belastungen. Antisemitische Gewalt und tödliche Terroranschläge gefährden ihre Sicherheit und erschweren die Aufrechterhaltung jüdischen religiösen und kulturellen Lebens. Die Möglichkeiten einer selbstverständlichen Teilhabe am öffentlichen Leben werden eingeschränkt. Am Arbeitsplatz, an Hochschulen und Schulen erleben Jüdinnen:Juden Bedrohungen, Diskriminierung und Ausgrenzung.
Diese Erfahrungen und ihre Folgen untersucht die Studie des KOAS und IRex, die am Montag veröffentlicht wurde und am morgigen Donnerstag vorgestellt wird. OFEK war als Kooperationspartnerin beteiligt. Die Ergebnisse korrespondieren mit den Erkenntnissen aus unserer Beratungsarbeit: Das Fallaufkommen bleibt hoch, viele Beratungsverläufe erstrecken sich über längere Zeiträume und betreffen mehrere Lebensbereiche zugleich.
Die divergenten Wahrnehmungen von Antisemitismus zeigen sich auch im Umgang mit der Erinnerung an den 7. Oktober. Während das Massaker und seine Folgen in Teilen der Öffentlichkeit zunehmend in den Hintergrund treten, bleiben sie für Angehörige der Ermordeten, Überlebende und ehemalige Geiseln unmittelbar gegenwärtig. Trauer und die Verarbeitung der Gewalt folgen keinem gesellschaftlichen Zeitplan. Die Erinnerung an die Ermordeten und die Anerkennung der fortdauernden Folgen bleiben eine gemeinsame gesellschaftliche Aufgabe.

