Leitfaden: Mit Kindern über Krieg und Antisemitismus sprechen

Tipps für Eltern und Bezugspersonen

Viele jüdische Familien haben den 7. Oktober 2023 und die Zeit danach, als einen tiefen Bruch erlebt. In der Beratung von Eltern stellt sich immer wieder die Frage, wie sie ihre Kinder in dieser belastenden Zeit begleiten und stärken können. Einige Kinder sind direkt vom Krieg betroffen, andere erleben ihn aus der Ferne – über Familienangehörige oder Freund:innen. Manche haben Antisemitismus am eigenen Leib erfahren. Andere hören davon über Gleichaltrige oder nehmen die Sorgen und Ängste ihrer Eltern wahr.

Viele Eltern fragen sich derzeit, wie sie ihre Kinder in dieser Zeit sensibel begleiten und welche Form der Unterstützung sie ihnen geben können. Ebenso stellt sich die Frage, wie Antisemitismus als reale Erfahrung thematisiert werden kann und welche Schutzmaßnahmen sie ihren Kindern vermitteln müssen.

Was junge Kinder im Kita-Alterbrauchen könnten:

Junge Kinder erleben und deuten ihre Welt vor allem über Emotionen – und über die Reaktionen ihrer Bezugspersonen. Sie brauchen eine einfache, klare Sprache, emotionale und körperliche Nähe sowie feste, wiederkehrende Rituale, die ihnen Sicherheit geben. Auch wenn sie Veränderungen deutlich spüren, können sie diese oft nicht in Worte fassen. Eine verlässliche Struktur und eine kindgerechte, ehrliche Kommunikation geben ihnen Orientierung und Sicherheit.

Kinder in diesem Alter beginnen, Zusammenhänge besser zu erfassen, stellen gezielte Fragen und wollen verstehen, warum etwas passiert.

Was Kinder im Grundschulalter brauchen könnten:

Sie brauchen ehrliche, altersgerechte Erklärungen und eine emotionale Sicherheit, z.B. durch verlässliche Tagesstrukturen und an-sprechbare Bezugspersonen. Zentrale Stabilitätsanker sind die Validierung ihrer Fragen und Gefühle, wiederkehrende Rituale so-wie die spürbare Präsenz und Zuverlässigkeit der Erwachsenen in ihrem Umfeld.

1. Raum für Fragen und Gefühle

Die Aufgabe der Eltern ist es nicht, dem Kind alles zu erklären, sondern ehrlich, präsent und zugewandt zu sein. Wichtig ist, Kindern die Möglichkeit zu geben, ihre Fragen und Gefühle auszudrücken – ohne sofort zu bewerten oder auch vorschnell zu trösten. Sie sollten spüren, dass ihre Sorgen und Fragen sein dürfen.

Beispiele:

  • Ich sehe, dass dich etwas beschäftigt.
  • Es ist in Ordnung, wenn du traurig bist. Auch ich bin traurig.
  • Du bist sicher.
  • Ich bin für dich da.
  • Wir gehen das gemeinsam durch.

2. Altersgerechte Informationen

Gleichzeitig braucht es eine Sprache, die sie verstehen und einordnen können. Informationen sollten klar, ehrlich und möglichst ohne belastende Details vermittelt werden. Es geht nicht darum, alles zu erzählen, sondern das Notwendige so zu benennen, dass Kinder sich orientieren können, ohne (emotional) überfordert zu werden.

Beispiele:

  • Du darfst alles fragen. Ich weiß nicht alles, aber ich erzähle dir, was ich kann.
  • Ein Krieg bedeutet, dass sich Menschen, Länder oder Gruppen mit Waffen streiten.
  • Im Krieg kommt es zu Kämpfen, bei denen Menschen verletzt werden oder fliehen müssen.

3. Validierung von Erfahrungen

Jüdische Kinder spüren oft sehr genau, dass die aktuelle Bedrohung auch sie meinen kann – sei es durch persönliche Erfahrungen, Gespräche in der Familie oder eigene Beobachtungen. Deshalb ist es wichtig, ihnen nicht nur Angst zu nehmen, sondern auch zu erklären, warum bestimmte Dinge passieren.

Indem wir ihre Erfahrungen ernst nehmen (validieren) und sie bei der Einordnung komplexer Ereignisse unterstützen, stärken wir ihr Ge-fühl von Sicherheit, Orientierung und Kontrolle.

Beispiele:

  • Du hast das Recht, dich verletzt und verunsichert zu fühlen.
  • Das war antisemitisch – niemand darf so mit dir sprechen oder dich so behandeln.
  • Du bist nicht allein mit dem, was du fühlst.

4. Sicherheit & Schutz

Kinder spüren oft sehr genau, wenn etwas nicht stimmt. Sie nehmen die Sorgen ihrer Eltern wahr, spüren Spannungen im Umfeld und verarbeiten auch das, was sie aus Gesprächen oder den Medien mitbekommen. In solchen Momenten brauchen sie Erwachsene, die ihnen mit Ruhe, Verlässlichkeit und Orientierung begegnen.

Das Kind sollte spüren:Ich bin sicher. Die Erwachsenen passen auf mich auf. Auch wenn es draußen gefährlich wirkt: Hier bei uns ist es ein sicherer Ort.

Wir unterstützen jüdische Familien dabei, solche Fragen für sich und ihre Kinder zu beantworten. Auf Eltern zugeschnittene Empowermentformate können unter empowerment[at]ofek-beratung.de angefragt werden. Unser Beratungsteam kann unter kontakt[at]ofek-beratung.de oder über die Beratungshotline angefragt werden:

0800 664 52 68
0176 458 755 32 

(Mo.-Mi. & Fr. 12-14 Uhr, Do. 16-18 Uhr)