Rückblick: GOLEM Gatherings – FLINTA* Retreat 2026
(veröffentlicht am 24. August 2026)
Vier Tage haben wir gemeinsam einen Retreat in der Nähe von Köln gestaltet, der jüdische FLINTA* aus NRW und anderen Teilen Deutschlands zusammenbrachte und in Kooperation mit lokalen Akteur:innen entstand. Als Teil der Empowerment-Arbeit von OFEK haben wir einen Raum geschaffen, in dem jüdische FLINTA* zusammenkommen, sich austauschen, stärken und eigene Ressourcen entdecken konnten.
Schon beim Ankommen haben wir alle eine Schwelle überschritten: weg vom Alltag, durch einen Zwischenraum hin zu einem Erholungsraum, den wir miteinander gestalten und tragen wollten. In Retreats und anderen von OFEK angeleiteten Empowerment-Räumen reflektieren jüdische Menschen und Menschen mit jüdischer Familiengeschichte das Erlebte und entwickeln dafür eine eigene Sprache. Diese Räume fungieren im Idealfall als Orte der Korrektur, in denen Marginalisierung sichtbar wird und als stärkender Prozess der Wiederherstellung individueller wie kollektiver Handlungsmacht erfahrbar ist.
Im Zentrum stand der Leviathan, ein uraltes Symbol für die schöpferischen Kräfte des Chaos, die uns herausfordern, verändern und wachsen lassen. Durch Lernimpulse, Gespräche, künstlerische Methoden, Körper- und Bewegungseinheiten haben wir uns diesen Themen angenähert. Mit Wasser als wiederkehrendem Element haben wir erforscht, was entsteht, wenn wir Kontrolle loslassen, Unsicherheit zulassen und spielerisch Neues ausprobieren. Aus Geschichten, Farben, Stoffen und Drucktechniken entstanden Schicht für Schicht verschiedene Werke, die unsere Erfahrungen miteinander verbanden. Am letzten Tag führten wir die Stoffe zu einem gemeinsamen Werk zusammen, als sichtbare Spur dessen, was wir miteinander erlebt und geschaffen haben.
Besonders berührend war unser gemeinsamer liberaler Shabbat. In einer Atmosphäre von Offenheit, Wärme und Verbundenheit haben wir zusammen Nigunim gesungen, Challah gebacken, gelacht und getanzt. Die Havdalah markierte den Übergang zurück in den Alltag und führte uns zu einem Lagerfeuer mit Gesang und gemeinsamen Ritual. Nach einem überraschenden Regensturm wirkten die Flammen umso heller: ein passender Abschluss für Tage zwischen Chaos und Gemeinschaft.
Was bleibt, sind Erinnerungen an intensive Tage voller Austausch, Kreativität und gegenseitiger Unterstützung. Gerade in Zeiten, in denen antisemitische Erfahrungen und Belas-tungen für viele jüdische Menschen zum Alltag gehören, war es uns wichtig, einen solchen Raum Wirklichkeit werden zu lassen. Wir nehmen die Erfahrung mit, dass Pausen, Spiel und gemeinsames Gestalten Räume eröffnen können, in denen Veränderung möglich wird – und die Erfahrung, dass selbst im Chaos Schönheit, Verbindung und neue Möglichkeiten entstehen können.

