RÜCKBLICK: KOLOT-Screening und Panel beim Fachtag des Open Arts Hub Berlin
(Stand 22. Dezember 2025)
Im Rahmen des Fachtags der neuen Berliner Anlaufstelle zu Antisemitismus im Kunst- und Kulturbereich Open Arts Hub am 18. November 2025 kamen KOLOT-Gründerin und -Kuratorin Marina Chernivsky und zwei der Protagonist:innen –Fotokünstlerin Ruthe Zuntz und Regisseurin Sharon Ryba-Kahn – zu einer Podiumsdiskussion zusammen. Vorab wurde der KOLOT-Trailer, in dem Zuntz, Ryba-Kahn und Journalistin Erica Zingher zu Wort kommen, abgespielt.
Im Gespräch reflektierte das Podium über persönliche Beweggründe und Erfahrungen bei der Entstehung von KOLOT, die Bedeutung zeitgeschichtlicher Archive, intergenerationale Traumata, jüdische Erinnerungs- und Wissenspraktiken sowie Formen jüdischer diskursiver Widerständigkeit. Moderiert wurde das Gespräch von Alexa Altmann, Beraterin des Open Arts Hub bei OFEK e.V.
Ein intensiver Austausch entwickelte sich um das Konzept des fortlaufenden zeitgeschichtlichen Archivs, wobei sowohl auf die Herausforderungen dokumentarischer Momentaufnahmen in Zeiten andauernder antisemitischer Gewaltvorfälle als auch Traditionslinien in der Vereinnahmung jüdischer Positionen in Deutschland diskutiert wurden. Chernivsky betonte in diesem Zusammenhang die Wichtigkeit von Erinnerungsarbeit aus jüdischer Perspektive für die jüdische und israelische Community. Ryba-Kahn, die bereits in ihrem Video sehr eindrücklich die emotionalen Leerstellen im Umgang mit jüdischen Stimmen konfrontiert, unterstrich: „Mir ist klar, dass ich nicht verstanden werde, weil man, um zu verstehen, hören wollen muss.“
Sowohl sie als auch Zuntz haben sich seit dem 7. Oktober verstärkt künstlerisch mit der eigenen familiären Verfolgungsgeschichte auseinandergesetzt. Im Gespräch reflektieren sie über die Verantwortung und Wirkung ihres individuellen und kollektiven traumatischen Geschichten-Erbes in einem gesellschaftlichen Moment, in dem jüdische Erfahrungen aus den unterschiedlichsten öffentlichen sowie privaten Sphären in ihrer Validität unter Angriff stehen. „Es hat ein bisschen gedauert, bis ich bei den Videoaufnahmen reinkam, weil ich noch nie darüber auf Hebräisch gesprochen hatte, immer nur auf Deutsch in professionellen Kontexten. Auf Hebräisch habe ich sehr vom Herzen sprechen können“, resümierte Zuntz.
Der Mitschnitt des Panels wird in Kürze auf den Kanälen von OFEK e.V. veröffentlicht.
Das 2024 gegründete Projekt KOLOT reflektiert in narrativen Interviews die Folgen der Massaker des 7. Oktober 2023 auf die jüdische Gemeinschaft in Europa und beleuchtet die Gleichzeitigkeit und Nachwirkungen von Gewalt in jüdischen Biografien. Die im Rahmen des Projekts entstandenen Videos bilden ein Mosaik persönlicher Erzählungen – individuelle Stimmen, die zugleich kollektive Zeugnisse jüdischen Lebens in Deutschland nach dem 7. Oktober 2023 abbilden.
Konzept und Regie: Marina Chernivsky
Kooperation: Jüdisches Museum Berlin
Filmische Beratung: Dr. Lea Wohl von Haselberg (Filmuniversität Babelsberg)
Videoproduktion: Crossgeneration Media
Das Projekt wird von OFEK e.V. getragen und durch die Förderung des Bundesministeriums des Innern aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestags ermöglicht.
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