Stellungnahme zu den antisemitischen Anschlägen der letzten Tage

(Stand 13.03.2026)

In den vergangenen Tagen haben sich Berichte über versuchte oder ausgeführte Anschläge auf Synagogen und jüdische Gemeindezentren sowie antisemitische Angriffe auf Einzelpersonen gehäuft. Dass diese Taten immer wieder andere Orte treffen – nahe wie ferne –, macht die globale Dimension dieser Bedrohung deutlich.

Allein seit gestrigem Donnerstag kam es zu zwei Anschlägen und einem weiteren verdächtigen Zwischenfall: In West Bloomfield im US-Bundesstaat Michigan fuhr ein Mann mit seinem Fahrzeug in die Türen eines Gemeindezentrums, das neben einer Synagoge auch eine Schule und einen Kindergarten beherbergt. 140 Kinder befanden sich zu diesem Zeitpunkt im Gebäude. Der Angreifer kam nach bisherigen Berichten durch den Einsatz der Gemeindesicherheit ums Leben; das Fahrzeug kam erst im Inneren des Gebäudes zum Stehen. Ein Sicherheitsmitarbeiter wurde verletzt. Nahezu zeitgleich ging die norwegische Polizei am Donnerstag gegen verdächtige Personen in der Nähe der Synagoge in Trondheim vor. Zudem gibt es Berichte über eine Brandstiftung vor einer Synagoge in Rotterdam in der Nacht auf Freitag.

Bereits in der Woche zuvor wurde vor der Synagoge in Lüttich ein Sprengsatz gezündet, der die Fassade beschädigte. Ebenfalls im März kam es im Großraum Toronto zu drei separaten Fällen, in denen auf Synagogen geschossen wurde. Glücklicherweise wurde dabei niemand verletzt. Zudem wurden in Großbritannien, Aserbaidschan und auf Zypern Personen festgenommen, die weitere Anschläge geplant haben sollen. All dies zeigt noch einmal deutlich, wie zentral der Schutz jüdischer Einrichtungen ist.

Wir nehmen diese Anschläge und Anschlagsversuche mit großer Besorgnis zur Kenntnis. Es ist denkbar, dass zumindest einige von ihnen auf koordinierte Aktivitäten zurückzuführen sind – so hat sich auf Social Media eine Gruppierung zu den Brandstiftungen in Lüttich und Rotterdam bekannt, die zum Netzwerk des iranischen Regimes zugerechnet wird. Umso wichtiger ist eine weiterhin konsequente Arbeit der Behörden sowie der Sicherheitsdienste in jüdischen Einrichtungen.

Dass es nach Eskalationen im Nahen Osten zu einem Anstieg antisemitischer Gewalt und zu einer erhöhten Terrorgefahr für jüdische Einrichtungen kommt, wird von weiten Teilen der nichtjüdischen Mehrheit in einer perfiden Logik als beinahe folgerichtig hingenommen und normalisiert. Historisch wie gegenwärtig erscheint die Entladung antisemitischer Gewalt gegen Unbeteiligte in dieser antisemitisch strukturierten Vorstellung nicht als Ausdruck einer menschenverachtenden Ideologie, sondern als vermeintlich berechtigte Empörung. Wir beobachten auch die zunehmende Instrumentalisierung des jüdischen Leids und der realen Bedrohung – wenn das Thema ausschließlich dann aufgegriffen wird, wenn es sich gegen politische Gegner:innen einsetzen lässt. Viel zu wenige sind bereit, Antisemitismus auch dann entschieden zu bekämpfen, wenn es bedeutet, in den eigenen Reihen kritisch hinzusehen. 

Ob Schweigen, Untätigkeit oder Instrumentalisierung – all das ermutigt zu weiteren Anschlägen und Angriffen.Jede neue Tat ist nicht nur ein Signal der Täter:innen an die Betroffenen, sondern auch ein Signal der Gesellschaft an jüdische Communities: welches Ausmaß an Antisemitismus – selbst in seiner eliminatorischen Form – gesellschaftlich hingenommen wird. Nicht vermeintliche oder tatsächliche Handlungen Israels sind es, die immer neuen Terror hervorbringen, sondern die fortgesetzte Duldung, Relativierung und Verharmlosung antisemitischer Ideologie hinter solchen Taten. Solange hier kein grundlegendes Umdenken stattfindet, wird dieser Terror weiter provoziert werden – und die Gesellschaften, die ihn dulden, von innen zersetzen.