Stellungnahme zum Anschlag auf die Heaton Synagoge in Crumpsall bei Manchester
(2. Oktober 2025)
Am heutigen Yom-Kippur-Morgen fuhr ein Mann mit einem Auto in die Tore der Heaton Park Synagogue im Manchester-Vorort Crumpsall, während sich in der Synagoge bereits Betende zum Shacharit (Morgengebet) versammelt hatten. Anschließend griff der Täter Wachleute und weitere Menschen in der Umgebung mit einem Messer an und tötete zwei Gemeindemitglieder. Vier weitere Personen wurden schwer bis lebensgefährlich verletzt. Sicherheitspersonal und Gemeindemitgliedern gelang es, den Mann bis zum Eintreffen der Polizei daran zu hindern, die Synagoge zu betreten. Als die Polizei versuchte, den Täter, der eine sprengstoffähnliche Vorrichtung bei sich trug, festzunehmen, wurde er erschossen. Die Vorrichtung wurde später von der Kampfmittelbeseitigung kontrolliert gesprengt. Zwei weitere Verdächtige wurden festgenommen.
Unsere Gedanken sind bei den Opfern und ihren Angehörigen. Den vier Schwerverletzten wünschen wir schnelle und vollständige Genesung.
Die britische Polizei bestätigte die Einordnung der Tat als Terroranschlag. Informationen zur Identität und zum politischen Hintergrund des Täters wurden bisher nicht veröffentlicht. Der Anschlag steht jedoch im Kontext einer zunehmend aufgeheizten antisemitischen und antizionistischen Mobilisierung, die eine konkrete Bedrohung für die Sicherheit jüdischen Lebens darstellt. Erst gestern wurden in Berlin drei mutmaßliche Hamas-Angehörige festgenommen, die Waffen für geplante Anschläge auf israelische und jüdische Einrichtungen beschaffen wollten. Für Jüdinnen:Juden in Deutschland ruft der heutige Anschlag die Erinnerungen an frühere Anschläge wie in Halle 2019 wach, ebenso wie an die vereitelten Anschläge in Hagen 2021 und Hannover 2022, die ebenfalls an Yom Kippur stattfinden sollten.
Die Verantwortung, dem sich radikalisierenden Antisemitismus Grenzen zu setzen, liegt bei der gesamten Gesellschaft. Das Versagen in dieser Aufgabe ist seit Jahren sichtbar, in der Gegenwart jedoch besonders deutlich. Während antisemitische Rhetorik immer radikaler und zugleich normalisiert wird, werden Jüdinnen:Juden zunehmend aus dem öffentlichen Leben gedrängt und unsichtbar gemacht. Gewalt gegen Menschen, die Antisemitismus kritisieren oder sich solidarisch zeigen, wird immer häufiger als legitim dargestellt. Gleichzeitig instrumentalisieren andere die Sicherheit jüdischer Gemeinden für eigene politische Zwecke, anstatt Antisemitismus dort zu bekämpfen, wo es am dringendsten nötig wäre: im eigenen Umfeld. Ein Ende dieser Eskalation ist nicht absehbar.

