Stellungnahme zum Jahresbericht des Bundesverbands RIAS für 2025
(veröffentlicht am 17.06.2026)
Heute hat der Bundesverband RIAS seinen bundesweiten Jahresbericht für 2025 vorgestellt – in die vorgestellten Zahlen sind auch die Ergebnisse der Arbeit der Meldestellen RIAS Sachsen und RIAS Sachsen-Anhalt in Trägerschaft von OFEK e.V. eingeflossen. Der Bundesverband RIAS verzeichnete für 2025 8.725 antisemitische Vorfälle und damit sogar etwas mehr als im Jahr zuvor (8.713). Zusammen mit den hoch bleibenden Beratungszahlen von OFEK und einer leichten Erhöhung bei der Anzahl antisemitischer Straftaten in der Polizeistatistik liefert der RIAS-Jahresbericht eine weitere Bestätigung dafür, dass das seit dem 7. Oktober 2023 massiv angestiegene Niveau antisemitischer Vorfälle einen neuen »Normalzustand« darstellt.
Erneut wird in den RIAS-Zahlen die Rolle des israelbezogenen Antisemitismus als Haupttriebfeder antisemitischer Gewalt und Agitation in der Öffentlichkeit ersichtlich. Element hiervon lagen dem Bundesverband RIAS zufolge in über zwei Dritteln der dokumentierten Vorfälle vor, meistens in Verbindung mit anderen Erscheinungsformen wie Verschwörungsmythen und Angriffen an die Erinnerung an die Shoah. Auch diese Formen von Antisemitismus werden seit dem 7. Oktober wesentlich häufiger dokumentiert. RIAS-Daten bestätigen damit einmal mehr die Beobachtung, dass Israelfeindschaft einen Anstieg für antisemitische Haltungen bietet, das Ressentiment jedoch fast immer weit über Israel hinaus geht. Im Jahresbericht ist die Verrohung und Radikalisierung der Sprache eindrücklich nachzuvollziehen, die immer häufiger Forderungen nach kompletter Unsichtbarmachung oder gar Vernichtung jüdischer Communities in Deutschland nach sich zieht: Die Mordaufrufe werden immer unverhohlener geäußert. Der RIAS-Jahresbericht zeichnet die stetige Normalisierung dieser Rechtfertigung antisemitischer Gewalt innerhalb der Gesellschaft nach.
Antisemitismus in der Öffentlichkeit, an Schulen, im Kulturbereich, in der Nachbarschaft, in der therapeutischen Praxis – die bundesweiten Zahlen spiegeln wider, was unsere Beratungsdaten und Fallverläufe zeigen. Antisemitismus ist inzwischen eine konstanter Belastungsfaktor, der sich durch alle Lebensbereiche zieht. Die hohen Fallzahlen gehen mit einer wachsenden Verdichtung von Bedrohung einher. Die Räume werden enger, während Solidarität immer häufiger unter Vorbehalt geäußert – oder mit Verweis auf vermeintliche oder tatsächliche Handlungen Israels aufgekündigt wird. Die Einschränkung der Teilhabe von Jüdinnen:Juden an der Gesellschaft nimmt ebenjene Gesellschaft zunehmend in Kauf.

