Stellungnahme zum Jahresbericht von RIAS BAWÜ für 2025
(veröffentlicht am 13.07.2026)
Stellungnahme von OFEK Baden-Württemberg zum RIAS-Jahresbericht 2025
Mit dem ersten Jahresbericht von RIAS Baden-Württemberg liegt erstmals ein systematisches Lagebild zu antisemitischen Vorfällen im Bundesland vor. Die dokumentierten 335 antisemitischen Vorfälle im Jahr 2025 – darunter Angriffe auf Personen, Bedrohungen und Sachbeschädigungen – bestätigen die Entwicklungen, die OFEK seit dem Aufbau der eigenen Beratungsstelle in Baden-Württemberg in der Beratungspraxis beobachtet und dokumentiert. Besonders besorgniserregend sind der hohe Anteil israelbezogenen Antisemitismus sowie die Vielzahl von Vorfällen an Hochschulen und anderen Bildungseinrichtungen.
Dazu erklärt das Team von OFEK Baden-Württemberg:
„Die im Bericht dokumentierten Fallzahlen decken sich mit den Erfahrungen aus unserer Beratungspraxis. Gleichzeitig zeigen sie nur einen Teil der Realität. Viele Betroffene wenden sich erst dann an uns, wenn vor Ort eine spezialisierte und vertrauenswürdige Beratungsstelle vorhanden ist. Nicht wenige berichten erstmals nach Jahren über antisemitische Erfahrungen. Dieses Vertrauen wächst nur durch eine langfristige Präsenz und kontinuierliche Zusammenarbeit mit den jüdischen Gemeinden und weiteren Partnern im Land. So kann das erhebliche Dunkelfeld antisemitischer Vorfälle Schritt für Schritt sichtbarer werden. Gerade an Hochschulen erleben wir, wie tiefgreifend sich antisemitische Vorfälle auf den Alltag Betroffener auswirken. Studierende berichten von Rückzug aus Lehrveranstaltungen, dem Meiden bestimmter Orte auf dem Campus oder dem Verzicht darauf, ihre jüdische Identität sichtbar zu leben. Die Folgen sind weitreichend und prägen den Alltag von Jüdinnen und Juden nachhaltig.“
Mit dem regionalen Standort OFEK Baden-Württemberg können wir Betroffene regional psychosozial, psychologisch und rechtlich umfassend begleiten sowie Institutionen – darunter Schulen, Hochschulen, Wohlfahrtsverbände, Vereine sowie Kunst- und Kultureinrichtungen – im Umgang mit Antisemitismus fachlich beraten. Während RIAS das Ausmaß des Antisemitismus im Land sichtbar macht, unterstützt OFEK Betroffene ihre Rechte wahrzunehmen und Handlungssicherheit zurückzugewinnen. Beide Strukturen sind notwendig, um das jüdische Leben in Baden-Württemberg wirksam zu schützen und nachhaltig zu stärken.

