Stellungnahme zum Jahresbericht von RIAS Berlin für 2025
(Veröffentlicht am 20.05.2026)
Am heutigen Mittwoch hat RIAS Berlin den Jahresbericht für 2025 veröffentlicht und 2.197 Vorfälle für das vergangene Jahr verzeichnet – ein leichter Rückgang gegenüber den vorjährigen Höchstzahlen seit Beginn der Dokumentation, gleichzeitig aber auch eine Verstetigung eines wesentlich höheren Zahlenniveaus seit dem 7. Oktober 2023. Die Zahlen für 2025 umfassen einen Fall extremer Gewalt – eine versuchte Tötung am Denkmal für die ermordeten Juden Europas –, 39 weitere physische Angriffe, 63 gezielte Beschädigungen und 41 Bedrohungen.
Die wichtigste, wenn auch nicht die einzige, Triebfeder bildet dabei die antisemitisch geführte Auseinandersetzung mit Israel – der Anteil des israelbezogenen Antisemitismus (2025: 67,7 %) hat sich seit 2022 dauerhaft verdoppelt (in absoluten Zahlen versechsfacht) und übersteigt die anderen Erscheinungsformen deutlich. Dabei wird der Begriff »Zionismus« immer häufiger zur Feindmarkierung, mit der nicht nur Israel delegitimiert, sondern auch Jüdinnen:Juden sowie solidarische oder antisemitismuskritische Personen aus sozialen, kulturellen oder politischen Räumen ausgeschlossen werden sollen. Gerade an Hochschulen wurde diese Entwicklung besonders sichtbar. Die deutliche Zunahme antisemitischer Vorfälle in diesem Bereich setzte sich auch nach dem 7. Oktober fort und radikalisierte sich in Gewaltverherrlichungen, Ausschlüssen und antisemitischen Mobilisierungen weiter.
Zum Jahresbericht von RIAS Berlin erklärt die Geschäftsführerin des OFEK Berlin-Trägervereins OFEK e.V. Marina Chernivsky: »Die dauerhafte Erhöhung der Fallzahlen bei RIAS Berlin spiegelt sich auch in den Beratungszahlen von OFEK Berlin wider: Auf den sprunghaften Anstieg antisemitischer Vorfälle folgte kein wesentlicher Rückgang des Beratungsbedarfs. Die Erfahrungen aus der Beratung verweisen vielmehr auf eine anhaltende Verdichtung von Unsicherheit, Bedrohung und gesellschaftlicher Entgrenzung antisemitischer Artikulationen sowie auf Benachteiligung und Einengung im akademischen Milieu, am Arbeitsplatz und im öffentlichen Raum. Jüdinnen und Juden müssen zwischen Sicherheit und Sichtbarkeit oszillieren; – ein Umstand, der auf eine grundlegende Einschränkung von Freiheits- und Teilhaberechten verweist.
Für OFEK ist die Zusammenarbeit mit RIAS zentral. Die Verbindung von Dokumentation und Betroffenenberatung macht sichtbar, wie sich antisemitische Dynamiken gesellschaftlich entwickeln und welche konkreten Folgen sie für Sicherheit, Alltag und gesellschaftliche Teilhabe von Jüdinnen:Juden haben. Die Zahlen und Beratungsdaten zeigen dabei eine grundlegende Asymmetrie: Während Antisemitismus in Teilen der Mehrheitsgesellschaft häufig abstrakt oder situativ wahrgenommen wird, ist er für viele Jüdinnen:Juden eine konkrete und gegenwartsbezogene Alltagserfahrung. Gerade deshalb bleiben antisemitismuskritische Dokumentations-, Beratungs- und Bildungsarbeit nicht nur eine Reaktion auf Krisen, sondern eine dauerhafte demokratische und gesellschaftliche Aufgabe.«

