Stellungnahme zum siebten Bericht der Beauftragten des Landes NRW für die Bekämpfung des Antisemitismus, für jüdisches Leben und Erinnerungskultur

Ein wirksamer Umgang mit Antisemitismus beginnt mit verlässlichen Strukturen. 

Der 7. Bericht der Antisemitismusbeauftragten des Landes Nordrhein-Westfalen zeigt deutlich, wie tief Antisemitismus inzwischen in zahlreiche gesellschaftliche Bereiche hineinreicht. Neben der Analyse der aktuellen Lage formuliert der Bericht konkrete Handlungsfelder für Politik, Bildung, Wissenschaft, Verwaltung und Zivilgesellschaft. Antisemitismus zeigt sich heute im öffentlichen Raum, an Schulen und Hochschulen, im Internet, in Behörden und im Wohnumfeld. Antisemitische Gewalt ist kein Randphänomen, sondern eine Herausforderung für die Politik, Praxis und Gesellschaft. 

Der Bericht macht deutlich: Antisemitismus muss in all seinen Erscheinungsdimensionen erkannt, benannt und konsequent bekämpft werden – unabhängig davon, aus welchem politischen oder ideologischen Spektrum die antisemitische Praxis stammt.  Ein Schwerpunkt des Berichts liegt auf der Bildungsarbeit. Jüdische Gegenwart soll selbstverständlicher Teil von Unterricht und Bildungsmedien sein und nicht ausschließlich im Zusammenhang mit antisemitischen Vorfällen, oder der Shoah. Gleichzeitig fordert der Bericht eine verbindliche Verankerung des Umganges mitAntisemitismus in allen Phasen der Lehrkräftebildung und eine stärkere Einbeziehung jüdischer Perspektiven. 

Schulen, Hochschulen, Polizei, Justiz und Verwaltung stehen vor der Aufgabe, Antisemitismus frühzeitig zu erkennen und professionell darauf zu reagieren. Der Bericht empfiehlt unter anderem feste Ansprechpersonen, kontinuierliche Fortbildungen, klare Zuständigkeiten und eine enge Zusammenarbeit mit Fach- und Beratungsstellen. Prävention braucht Wissen, Vernetzung und klare Verantwortlichkeiten.  

Der Schutz jüdischen Lebens gelingt nur, wenn Prävention und Intervention dauerhaft verankert sind. Dazu gehören kontinuierliche Bildungsarbeit, belastbare Netzwerke, spezialisierte Beratungs- und Unterstützungsangebote, Evaluation bestehender Maßnahmen sowie der konsequente Einbezug jüdischer Perspektiven und Erfahrungen. Antisemitismusprävention ist eine gesamtgesellschaftliche Daueraufgabe. 

Verlässliche Strukturen müssen mit Leben gefüllt werden. Als spezialisierte Beratungsstelle unterstützt OFEK NRW Betroffene antisemitischer Gewalt und Diskriminierung vertraulich und kostenfrei. Darüber hinaus beraten wir Institutionen und Fachkräfte im professionellen Umgang mit Antisemitismus, begleiten Veränderungsprozesse und stärken Handlungssicherheit im Umgang mit antisemitischen Vorfällen. Der Bericht macht deutlich: Beratung, Prävention und Intervention gehören zusammen. Nur so können Betroffene nachhaltig unterstützt und Antisemitismus wirksam begegnet werden.  

Den Jahresbericht können Sie hier lesen.